Makroökonomische versus mikroökonomische Ansätze der Migrationstheorien

Der dritte Beitrag unseres IfA-Assistenten, Balint Lengyel:

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„Die makroökonomischen Ansätze orientieren sich an ökonomischen Merkmalen im Aggregat, wie dem Wirtschaftswachstum, und dabei vor allem die räumlichen Ungleichheiten zwischen Produktionsorten und damit einhergehenden Ungleichheiten zwischen Arbeitsmärkten.“ (Haug, S. 1)

Dieser Sachverhalt stellt eine Weiterentwicklung der Gravitationsmodelle um das Bestreben dar, die Ursachen der Wanderungsbewegung aus dem regionalen Lohnniveau, welches durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird, festzumachen. So richtet sich das Hauptaugenmerk auf ökonomische Merkmale, wie dem Wirtschaftswachstum oder der Herausbildung von sozialen Ungleichheiten, die durch Migrationsbewegungen angeglichen werden sollen. Das Ziel ist das Erreichen eines makroökonomischen Gleichgewichtszustandes.

An dieser Stelle ist auch Immanuel Wallersteins „Weltsystemansatz“ einzuordnen. Dieser versteht die Grundlage der Migration – ausgehend von globalen Produktions- und Konsumptionsbeziehungen, die durch Ungleichheiten und einer ständig prosperierenden Gesellschaftsscherung gekennzeichnet ist. Hierbei behandelt er die Gesetze der freien, kapitalistischen Marktwirtschaft, im Sinne eines Warenaustausches zwischen Zentrum (hochentwickelte Industrienationen) und der Peripherie (meist Entwicklungsnationen).

Es liegt auf der Hand, dass makroökonomische Ansätze eindeutige Aussagen zum Migrationsvolumen und Lohnanstiegen geben. Jedoch können unzureichende Korrelationen als Kritikpunkte genannt werden. So ist das Fehlen der positiven Korrelation zwischen der Migrationsrate und dem Lohnniveau zu nennen, da ein niedriges Lohnniveau nicht zwangsläufig eine hohe Emigrationsrate bedeuten muss, hingegen ein hohes Lohnniveau tatsächlich mit einer hohen Immigrationsrate in Verbindung gebracht werden kann. Beruhend auf den Analysen von Frank Kalter unterscheidet Haug analog zu dem vorherigen Einwand, dass zwar ein positiver Zusammenhang zwischen einer hohen Beschäftigungsrate und der Immigration besteht, jedoch zwischen einer niedrigen Beschäftigungsrate und der Emigration keine vorhanden ist.

Diese unvollständigen Korrelationen weisen auf einen nicht zufrieden stellenden Erklärungsgehalt von makroökonomischen Theorien hin. Durch eine Erweiterung mit mikroökonomischen Ansätzen und/oder Push-und-Pull Faktoren könnte man jedoch ein höheres Maß an Validität gewinnen. Ferner könnten durch eben solche Mehr-Ebenen-Analysen genauere Angaben zu den Wirkungsweisen der Mikroebene getätigt werden, deren sich unter anderen Hartmut Esser annimmt. Erklärungen müssten den Postulaten der erklärenden Soziologie gerecht werden und in drei Schritten erfolgen, die sich wie folgt begründen: die Logik der Situation, die Logik der Selektion und die Logik der Aggregation. Das Kernelement neoklassischer mikroökonomischer Ansätze ist die Annahme, dass Handlungen von Individuen eines ihrerseits getroffenen rationalen Entscheidungsprozesses unterliegen.

 

Migration wird erklärbar durch die Suche nach dem Ziel einer optimalen Versorgung mit ökonomischen Mitteln, wobei vor allem Lohnhöhe und Beschäftigungschancen berücksichtigt werden. Der Unterschied zur Makroökonomie liegt weniger in den Vorhersagen der Theorie als darin, dass anstelle der aggregierten Lohn- und Arbeitslosenquoten das Individuum und seine individuellen Einkünfte und seine Ausstattung mit Humankapital die Analyseeinheit darstellt.“ (Haug, S. 5)

Diese Definition von Haug ist als eine Erweiterung zu der Annäherung von Frank Kalter anzusehen, die den Migrationsprozess als Investment in Form von Humankapital versteht, aus dem kurz- und/oder langfristig ein Einkommensanstieg zu erwarten ist. Dabei liegt ein Vorteil im Vergleich zu den makroökonomischen Theorien darin, dass die Motive der MigrantInnen unter dem Aspekt der Selektivität wahrgenommen werden können. Dies bedeutet, dass Individualitäten berücksichtigt und Verallgemeinerungen minimiert werden. Dennoch besteht bei den Theorien auf der Mikroebene die Gefahr der Immunisierung mit den einhergehenden erschwerten Nachweisbarkeit, aufgrund der zumeist unzureichend erfassbaren Hintergrundvariablen des Humankapitals.

 

 

Verwendete Literatur:

Haug, Sonja: Klassische und neuere Theorien der Migration. Mannheim 2000.

Kalter, Frank: Wohnortwechsel in Deutschland. Opladen 1997.

Verfasser: Kuti Klára | 2017. 08. 12. 15:43

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