Allgemeine Sammlungsrichtlinien des Ungarndeutschen Museums

Allgemeine Sammlungsrichtlinien des Ungarndeutschen Museums in Tata – Leitfaden, Sammlungskonzeption und Leitbild

 

 Präambel, „mission statement“

Die Aufgabe des Ungarndeutschen Museums (Tata) ist die auf dem Territorium des einstigen und heutigen Ungarn gegenwärtige oder einst vorhandene deutsche Kultur zu sammeln, zu bewahren, auszustellen und zu vermitteln. Das Museum ist ein Archiv des individuellen und kollektiven Gedächtnisses. Es bewahrt die persönliche Historie in Objekten, Texten, Bildern und Tonaufnahmen.

Das Museum versteht sich als eine historische Institution, die Erfahrungen aus der Vergangenheit durch gegenwärtige Deutungen vermittelt. Das Ziel unserer Ausstellungen, Veranstaltungen sowie Vermittlungsarbeit ist, Toleranz, Versöhnung, gegenseitige Anerkennung und Achtung zwischen sozialen, sprachlichen und kulturellen Gruppen zu vermitteln.

Als soziales Museum verbinden wir Generationen, Sprachen, Gemeinschaften und Regionen. Wir sind offen für die museale Aufarbeitung von zeitgenössischen sozialen, kulturellen und ethnischen Konflikten.

Das Museumsteam ist sich bewusst, dass Geschichte und Tätigkeit des Museums von den jeweiligen gesellschaftspolitischen Diskursen nicht unabhängig ist. Deshalb fühlt sich das Team der permanenten Selbstreflexion verpflichtet.

 Die Geschichte der Sammlung

Die Sammlung wurde 1972 in Form eines ethnografischen Museums gegründet. Die Berufung des Museums war die museale Sammlung und Bewahrung der materiellen Kultur, Tradition und Lebensweise von bäuerlichen Gemeinschaften. Demzufolge sind die Objektgruppen der Sammlung – von wenigen Ausnahmen abgesehen – Gegenstände der landwirtschaftlichen sowie autarken Lebensweise. Diese manifestieren sich vornehmlich in Trachten, Haushaltsgegenständen und Objekten der religiösen Andachtsübungen. Ab Mitte der 1980er-Jahre wurde die Erweiterung der Sammlung eingestellt. Das Ungarndeutsche Museum passt die Konzipierung seiner Sammlungsstrategie an gegenwärtige Ansprüche an, ohne dabei die Absichten der Gründer zu vernachlässigen.

  •  Aufgaben und Ziele

Aufgabe des Ungarndeutschen Museums ist es, die Kulturgüter der im Sammlungsbereich definierten Gruppen zu erforschen, sammeln, aufzubewahren, zu archivieren und konservieren sowie wissenschaftlich zu bearbeiten. Ferner sollen diese durch Ausstellungen und Vermittlungsarbeit öffentlich zugänglich gemacht werden.

 Sammlungskonzeption

  • Sammlungsbereich und Sammlungsgebiete

Die Aufgabe des Ungarndeutschen Museums (Tata) ist, die auf dem Territorium des einstigen und heutigen Ungarn gegenwärtige oder einst vorhandene deutsche Kultur zu sammeln, zu bewahren, auszustellen und zu vermitteln. Dazu gehört

  • die Kultur der historischen nationalen Minderheitengruppen von deutscher Sprache und/oder Identität, die in Ungarn leben oder gelebt haben,
  • die Kultur der nationalen Minderheitengruppen von deutscher Sprache und/oder Identität, die Ungarn zwangsweise oder freiwillig verlassen haben, sich aber mit ihrer einstigen Heimat verbunden fühlen,
  • die Kultur der nationalen Minderheitengruppen von deutscher Sprache und/oder Identität, die in der Vergangenheit zwischen verschiedenen, sich globalpolitisch ändernden Staatsgrenzen auf dem Territorium des Staates Ungarn gelebt haben,
  • die Kultur von Gruppen, die bei der globalen Migration kurz oder lang in Ungarn leben oder gelebt haben und sich mit der deutschsprachigen Kultur verbunden fühlen.

 

Bibliothek, Datenbank, Fotoarchiv

Das Ungarndeutsche Museum sammelt Publikationen, gedruckte oder elektronische Dokumente, Manuskripte und Fotografien jeglicher Art, die mit der Kultur und Geschichte der – im Sammlungsbereich definierten – Gruppen zusammenhängen. Diese sollen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

 

Schnittstellen zu anderen Museumssammlungen

Innerhalb des Kuny-Domokos-Museums ist eine klare Abgrenzung zwischen der ungarischen ethnografischen Sammlung, der zunftgeschichtlichen Sammlung und der regionalgeschichtlichen Sammlung vonnöten. Das Ungarndeutsche Museum betrachtet die Selbstbestimmung der deutschen Minderheitsgruppen sowie die Ausübung und die gemeinschaftliche Interpretation der Identität, als oberstes Kriterium bei der Auswahl und Bewertung von Objekten.

Ethnografische, regionalgeschichtliche oder zunftgeschichtliche Kulturgüter (Objekte) können nur dann in die Sammlungskonzeption des Ungarndeutschen Museums aufgenommen werden, wenn ihre gesellschaftliche, kulturelle oder historische Bedeutung auf die im Sammlungsbereich definierten Gruppen verweist.

Das Ungarndeutsche Museum unterstützt die Musealisierung der Kulturgüter von lokalen Gemeinschaften und pflegt partnerschaftliche Beziehungen zu deren Heimatmuseen. Es initiiert keine Sammlung der materiellen Kultur von Siedlungen, deren deutsche Minderheiten selbst eine museale Institution beschäftigen. Eine Ausnahme stellt die Akquisition von Kulturgütern dar, die das Ungarndeutsche Museum durch Spenden, Nachlässe oder Geschenke erfährt. Das Ungarndeutsche Museum sieht sich als Teil  eines globalen Netzwerkes von lokalen, virtuellen, nationalen und ethnischen Gemeinschaften.

Sammlungstypen

Demnach vertritt das Ungarndeutsche Museum den Standpunkt, dass die musealisierten Gegenstände zu einem  wechselhaften, auf Selbstbestimmung ausgerichteten Relationssystem der deutschen (Minderheiten-)kultur gehören.

Das Sammlungskonzept des Ungarndeutschen Museums legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Sammlung, Bewahrung und Veröffentlichung der Gegenwartskultur. Das Museum sammelt all diejenigen Gegenstände, die für die gegenwärtige Gesellschaft (bzw. den Gesellschaftsgruppen) das Selbstverständnis der ungarndeutschen Kultur symbolisieren. Folglich interpretiert das Ungarndeutsche Museum die Gegenwartskultur, als eine Verbindung zwischen Erfahrungsraum und Erwartungshorizont. Folglich betrachtet das Museum die Sammlung von bestimmten Objektgruppen als abgeschlossen, wenn sie ausschließlich auf Praktiken hinweisen, die durch das gegenwärtige Gedächtnis nicht zu erreichen bzw. darin nicht vertreten sind. Diese Sammlungen werden bewahrt und aufgearbeitet, jedoch nicht mehr erweitert.

Die Objekte der musealen Sammlung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Deshalb erfolgt die Sammlung und Aufbewahrung nach folgenden Sammlungstypen:

  • Museale Sammlung (verzeichnet mit Inventarnummer)
    • Objekte für die ständigen Präsentationen
    • Objekte für die Schausammlung
    • Objekte für Sonderausstellungen und Studiensammlung
  • Verbrauchs- bzw. Demonstrationsobjekte für museumspädagogische und didaktische Zwecke (gesondertes Verzeichnis)
  • Dokumentenarchiv, Fotoarchiv, Bibliothek

 

Akquisition und Aussonderung

Der Erwerb von künstlichen Objekten kann durch Einkauf, Schenkung, Ausleihe, Nachlass oder Tausch erfolgen. Voraussetzung für den Erwerb ist, dass die Objekte den wissenschaftlichen Kriterien sowie den Lagerungs-, Sammlungs- und Bestandschutzbestimmungen entsprechen.

Auf der Grundlage dieser Vorbedingungen ersucht das Ungarndeutsche Museum um die ausführliche Beantwortung folgender Fragen:

  • Ist die Herkunft des Objekts restlos zu klären?
  • Entspricht das Objekt der Sammlungskonzeption des Museums?
  • Ist die Übernahme des Objekts an Auflagen gebunden?
  • Wird die Benutzung des Objekts rechtlich eingeschränkt?
  • Ist die Übernahme des Objekts mit Unkosten verbunden?

Dem Ungarndeutschen Museum ist es anheimgestellt, die Objekte  rechtmäßig zu selektieren. In diesem Auswahlverfahren sucht das Museum Antworten auf folgende Fragen:

  • Ist der Zustand des Objektes entsprechend?
  • Ist die Dokumentation des Objekts entsprechend?
  • Ist die museale Relevanz des Objekts entsprechend?
  • Ist die Konservierung des Objekts lösbar?
  • Sind die fehlenden Hintergrunddaten eines Objekts zu ersetzen?
  • Gibt es für die Optimierung der Sammlung andere, ansprechendere Objekte in der Sammlung?
  • Entspricht das Objekt der Sammlungskonzeption des Museums?

 

Leitfaden zur Erstellung und Umsetzung der Sammlungskonzeption

  • formale Kriterien für Objekte
    • Preis
    • Zustand
    • Lagermöglichkeiten
  • thematische Kriterien für Objekte
    • Beziehung zur Sammlung
    • Dokumentierbarkeit, Bestimmung und Bestimmbarkeit
    • Nutzbarkeit
    • historischer Wert, ästhetische, wissenschaftliche, gesellschaftliche und/oder kulturelle Bedeutung
    • Repräsentativität und Signifikanz
    • Sammlungs- oder Serienwert
    • weitere einzigartige Bedeutungen

 

Verfasst von Klara Kuti, Übersetzung aus dem Ungarischen Bálint Lengyel (IfA-Kulturassistent)

Verfasser: Kuti Klára | 2017. 04. 15. 17:33

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Felder mit * sind erforderlich.

Kommentare

No comments yet.

A honlap további használatához a sütik használatát el kell fogadni. További információ

A süti beállítások ennél a honlapnál engedélyezett a legjobb felhasználói élmény érdekében. Amennyiben a beállítás változtatása nélkül kerül sor a honlap használatára, vagy az "Elfogadás" gombra történik kattintás, azzal a felhasználó elfogadja a sütik használatát.

Bezárás