Minderheitenmuseen: …zwischen zwei Stühlen

Invention of Nation – das Gebäude des Nationalmuseums in Budapest, NMNTF2202_328_Nr001

Die Ambivalenz der Minderheitenmuseen besteht darin, das Museum an sich als eine Institution der (europäischen) Nationalstaatsbildung anzusehen. Die ersten 150 Jahre der Museumsgründungen standen unter dem Kredo, die Eigentümlichkeit, Identität, Kultur und Vergangenheit der jeweiligen Nation zu entdecken, zu sammeln und zu verkünden. Zur bürgerlichen Bildung eines Staatsbürgers gehörte die Kenntnis der in den nationalen Museen aufbewahrten Kulturgüter. Erst in den 1960er Jahren begann die europaweite Neukonfigurierung der Museumslandschaften. In dieser Zeit erschienen in den musealen Erzählungen die jeweiligen „Anderen“ der Gesellschaft: Frauen, Kinder, Arbeiter und Minderheiten. Dies milderte jedoch nicht die Autorität bzw. die anerkannte Neutralität der Museumserzählungen. Die „Anderen“ wurden weiterhin aus der Perspektive der Mehrheit betrachtet. Museumsobjekte ethnischer Zuordnung haben den Unterschied visualisiert und kanonisiert.

Wie kann man dennoch mit musealen Mitteln Minderheitenkulturen darstellen? Wir plädieren für die museale Darstellung der sich stets wandelnden, dynamischen Beziehungen zwischen Mehrheit und Minderheit. So versuchen wir etwa in unserer Dauerausstellung die Wechselwirkungen von Selbst- und Fremdbildern zu thematisieren und zu reflektieren.

Eine weitere Möglichkeit hierfür sehen wir in unserer Online-Ausstellung: Hier sind die Migrationserfahrungen der ungarndeutschen Minderheit unser Ausgangspunkt. Die vielschichtigen Migrationsgeschichten sollen darauf hinweisen, dass gerade die Herausbildung der Nationalstaaten und die politischen Definitionen von Staatsgrenzen – im 20. Jahrhundert und auch früher – aus Staatsbürgern Mehrheiten und Minderheiten geschaffen haben. Die historische Arbeitsmigration des Mittelalters oder der Neuzeit können eine Parallele zu den modernen Arbeitsmigrationswellen darstellen. Flucht und Vertreibung, ethnische Säuberung und Völkermord sind nach wie vor nicht aus der Welt geschaffen…

Verfasser: Kuti Klára | 2017. 07. 19. 12:26

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