Das Gebetbuch meiner Urgroßmutter

  • Tulajdonos: Privateigentum
  • Használat ideje: in der Gegenwart
Ein großes, dickes Buch mit Messingrahmen und Schnallen, schön mit weißen Elfenbeinelementen verziert: Das Gebetbuch meiner Urgroßmutter. Dieses Buch, den Großen Goldenen Himmelschlüssel, bei uns gewöhnlich „Messpuch“ genannt, hat sie von ihrer Mutter geerbt, die es wiederum von ihrer Mutter geerbt hat. Es ist ein besonderes Erbstück unserer Familie, das 1896 in Winterberg herausgegeben wurde. Als Kind habe ich es mir gerne angeschaut, aber ich durfte es nur ganz vorsichtig in die Hand nehmen und musste es nachher wieder schön verpackt auf seinen Platz zurücklegen. Es hat mich immer fasziniert, wie schön dieses Gebetbuch ist. Mit der Hilfe meiner Großmutter habe ich aus diesem Buch später auch die Frakturschrift lesen gelernt und durch Gespräche mit ihr viel über die Himmelschlüssel und so auch über unsere Familie erfahren. Ich habe mich immer schon zu alten Gegenständen hingezogen gefühlt und diese Leidenschaft ist bis heute geblieben, sie sind für mich wichtig.

Das Gebetbuch, wie auch unser Himmelschlüssel, war in vielen ungarndeutschen Familien ein Wander-Erbstück, dass von Mutter zu Tochter weitervererbt wurde. Diese Erbstücke waren in früheren Zeiten oft die einzigen gedruckten Bücher, die eine Bauernfamilie besaß. Aus diesen Gebetbüchern haben die Kinder lesen gelernt und aus diesen hat die Großmutter an Sonntagen und kalten Wintertagen – als es nur wenig Arbeit gab – vorgelesen. Das Gebetbuch hatte außerdem eine weitere ganz besondere und wichtige Funktion, denn in ihm wurde die Familienchronik geführt: Alle Geburten, Heirate und Sterbetage der Familienmitglieder wurden darin in handschriftlicher Form aufgezeichnet und so den kommenden Generationen weitergegeben.
An diese Art von Gebetbüchern knüpft sich auch eine lustige Geschichte. Es hat sich irgendwann in der Zwischenkriegszeit ergeben, dass eine Hausfrau sich sehr hat beeilen müssen und schnell die Arbeit um das Haus verrichten wollte, bevor sie zur Messe ging. Sie hat das Vieh gefüttert, die Suppe schon aufgestellt und alles Gemüse schon hinzugegeben. Währenddessen hat sie den Schinkenknochen vorbereitet, den sie kochen wollte und hat auch ihr großes Gebetbuch schon hervorgenommen, dass sie mit sich in die Messe mitnehmen wollte. Sie war schon zu spät und musste sich beeilen. In ihrer großen Eile hat sie aber aus Versehen das Messbuch genommen, in die Suppe geschmissen und gleichzeitig den Schinkenknochen unter ihren Arm geschlagen und ist zur Messe geeilt. In der Kirche hat sie dann gemerkt, dass sie statt ihrem Gebetbuch den Schinkenknochen mitgenommen hat und sagte erschrocken: „Jees‘ ich khoch ja mai Messpuch“. (GS)

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