Nachricht aus der Monarchie

  • Tulajdonos: Privateigentum
  • Használat ideje: ab 1904 bis heute
Dieser geschwärzte Pokal ist beim Umzug meines Vaters aufgetaucht. Ich habe diesen aus seinem Bettkasten entnommen, wo er zwischen anderem Trödel verstaut war. Niemand wusste woher dieser stammt, dennoch wollten wir ihn nicht wegwerfen. Eines Tages ist mir nach dem Staubwischen eine Gravur auf dem Pokal in gothischen Buchstaben [Fraktur] aufgefallen: „Oberwarter Sonntags-Zeitung 1880-1904”. Wegen dem Grünspan dachte ich damals, dass die erste Nummer 1830 lautet. Der Pokal hatte bis dahin keine Bedeutung für mich, die Gravur machte ihn jedoch für mich interessant. Offensichtlich ist der Pokal keine Massenproduktion, sondern eine Botschaft aus der Habsburger Monarchie. Undzwar aus dem Burgenland, dem Bundesland, wo die Familienmitglieder meiner Großmutter zum letzten Mal mit der gleichen Staatsbürgerschaft zusammengesessen sind.

Obwohl kein Name auf dem Pokal zu finden ist, kann dieser keinem anderen gehört haben, als meinem Ururopa Hugo Ehrenwerth. Er arbeitete 24 Jahre lang in der Oberwarter Durckerei (Burgenland) als Schriftsetzer des lokalen Tageblatts. Den Pokal dürfte er bei seiner Pensionierung erhalten haben. Im Zuge seiner Wanderjahre als Druckereiarbeiter ist er aus dem Sudetenland in das Burgenland übergesiedelt, wo er eine Familie gründete. Mein Ururgroßvater hatte zwei Töchter und einen Sohn, mit denen er Zuhause Deutsch sprach. An dieser Stelle sei angemerkt, dass seine Frau zur Hälfte Ungarin war. Seine Töchter haben ebenfalls Durckereiarbeiter geheiratet. Meine Urgroßmutter stammt aus einer ungarischen Adelsfamilie aus Galant, sprach aber kaum Ungarisch, weil sie in Pressburg (Bratislava) im „Zuckermandler“ Bezirk aufgewachsen ist. Ihre ältere Schwester heiratete einen ungarischen Jungen, der einen slawischen Namen trug. Ihr Sohn übte den Beruf des Grundschullehrers aus und magyarisierte seinen Namen zu „Énekes”.

Die männlichen Mitglieder der Familie wurden 1914 in den Krieg eingezogen, die Frauen und Kinder überdauerten den Ersten Weltkrieg im Oberwarter „Ehrenwerth Haus“. Sie sprachen abwechselnd in deutscher und ungarischer Sprache, sodass sie es nicht einmal bemerkt hatten, wenn sie die Sprache wechselten. Hätten sie sich zu einer Nationalität bekennen müssten, wären sie verstört gewesen. Sie mussten sich erst im Jahr 1918 zu einer Nationalität bekennen. In diesem Jahr zog meine Urgroßmutter zurück nach Pressburg (Bratislava), ihre Schwester nach Wien, ihr Bruder nach Csorna. Der Pokal, der mit Sicherheit an einem besonderen Platz im Burgenländer Haus ausgestellt war, kam nach dem Tod meines Ururopas nach Wien. Von dort aus irgendwann zu meinem Vater nach Veszprém.

Vor kurzem las ich, dass man mit Backpulver Silber reinigen kann. Mir ist eingefallen, den Pokal damit zu reinigen, um zu sehen, ob der Pokal tatsächlich aus Silber ist. Tatsächlich! Er ist aus Silber, mit vielen Mustern aus der Sezessionszeit. Sein Inneres hat sogar eine Goldlegierung. Es wäre gut, ein Foto an die Familie Ehrenwert in Österreich, an die Familie Énekes in Győr und an die vielen Verwandten in Mitteleuropa zu schicken, die mittlerweile andere Namen tragen. Oder soll dieser in einem Museum ausgestellt werden? Aber in welchem? (übers. NNM)

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